Oh, du Fröhliche! Warum ich so gerne Weihnachtsfeiern moderiere.

Kaum ist er da, ist er auch schon wieder weg: der Dezember. Ich weiß nicht, ob es nur mir so vor kommt, aber dieser 12. Monat des Jahres vergeht mindestens doppelt so schnell wie alle anderen. Vor dem 31.12. muss alles fertig werden, das Jahr verlangt nach seinem Abschluss, am besten hat man aber überhaupt alles bereits am 23.12. unter Dach und Fach, weil danach dann sowieso niemand mehr im Büro sitzt. Schnell noch eine Aussendung an alle Kunden vorbereiten, alle weihnachtlichen Massen-E-Mails beantworten, man will ja nicht undankbar sein, alle Freunde etappenweise noch auf einen Punsch treffen (sich erst "nächstes Jahr" wieder zu sehen erscheint dank Silvester nämlich plötzlich wie ein Abschied für immer), die Weihnachtsgeschenke für die ganze Familie nicht vergessen und dann...ja, dann ist da dann auch noch die Firmenweihnachtsfeier.

Für die meisten ist die Weihnachtsfeier ein absolutes Jahres-Highlight. Naja, zumindest für jene, die sich auch an die des Vorjahres noch positiv zurück erinnern können. Von allen potentiellen Peinlichkeiten und Klischees mal abgesehen, ist die Weihnachtsfeier ein durchaus erfreulicher Anlass. Mitarbeiter, Betriebsräte, Geschäftsführer, Vorstände: sie alle kommen zusammen, blicken auf das vergangene Jahr zurück, wagen erste Prognosen fürs neue und haben immer eines gemeinsam: ihre positive Grundstimmung. Die meisten stehen mit einem Fuß auf der Weihnachtsfeier und mit dem anderen bereits im wohlverdienten Urlaub. Sie erzählen von bevorstehenden Ski-Abenteuern, freuen sich auf einen besinnlichen Heiligen Abend und vor allem darauf, voller Energie ins neue Jahr zu starten.

Als Moderatorin betrete ich den Saal schon Stunden bevor die ersten Mitarbeiter eintreffen. Ich lasse mich von der weihnachtlichen Stimmung einfangen. Die Tische sind wunderschön dekoriert, die Catering-Crew baut gerade das Buffet auf, in der Mitte des großen Saales dreht sich eine silberne Discokugel, die auf überraschend geschmackvolle Art und Weise tanzende Lichter an die Decke zaubert. Nachdem ich die ersten Worte mit den Organisatoren gewechselt habe, freunde ich mich mit den Licht- und Tontechnikern an. Das ist nicht nur wichtig - ich will ja später auf der Bühne weder hässlich klingen, noch grauenhaft aussehen - sondern meistens auch ziemlich unterhaltsam. 

Nach einem ausgiebigen Soundcheck und letzten inhaltlichen Abstimmungen, habe ich eigentlich nichts mehr zu tun, außer zu beobachten, wie sich der Saal langsam füllt. Eine wunderbar gelöste Stimmung macht sich breit. Und auch die Vorstände, die ich kurz vor Beginn kennenlerne, um sie auf ein kurzes Interview auf der Bühne vorzubereiten, haben allesamt ein strahlendes Lächeln und sogar den einen oder anderen Schmäh auf den Lippen. Man merkt: Es ist Weihnachten. Die Zeit des Miteinanders und der Nächstenliebe. Die harte Arbeit stellen wir hinten an. Heute Abend wollen wir nur eines: Spaß haben und feiern.

Ja, ich liebe Weihnachtsfeiern. Mein Publikum ist entspannt und voller Vorfreude. Genau wie ich. Und was am allerschönsten ist: Hat man die Premiere erst mal gut über die Bühne gebracht, gehört man irgendwie mit zur Familie. Eine Familie, von der man (hoffentlich) auch im nächsten Jahr wieder zur Weihnachtsfeier eingeladen wird.