Moderatoren sind keine Menschen!

Moderatoren sind Roboter. Moderatoren sind programmiert darauf perfekt auszusehen und perfekte Sätze zum perfekten Zeitpunkt auszusprechen. Dafür werden sie schließlich bezahlt! 

Moderatoren haben kein Herz und kein Mitgefühl. Das brauchen sie auch gar nicht. Moderatoren müssen einfach nur funktionieren. Und tun sie das mal nicht, tja dann, DANN ist ein ausgeprägter Shitstorm natürlich vollkommen gerechtfertigt. 

Was für ein Schwachsinn!

Mirjam Weichselbraun, eine sympathische und vor allem immer hoch professionelle Kollegin, hat also während der Live-Übertragung tatsächlich gesagt, der Opernball würde vom Tod "überstrahlt", anstatt das Wort für dessen dunkles Pendant zu verwenden. Ja, es hätte "überschattet" heißen müssen. Ja, Mirjam Weichselbraun ist ein Fehler unterlaufen. SO WHAT?!

Auch Moderatoren sind - und das weiß ich aus Erfahrung - nur Menschen. Menschen machen Fehler. Ist so. Darf sein. Gehört eben einfach dazu!

Ein Mensch, eine Frau des öffentlichen Lebens, ist verstorben und das ist traurig. Vorfälle wie dieser treffen uns manchmal ganz plötzlich und unvorbereitet, sowohl als Privatpersonen, als auch im Beruf. Als Moderatorin bereitet man sich lange auf eine Veranstaltung wie den Wiener Opernball vor. Aber ganz egal wie gut man sich vorbereitet, unvorhergesehene Situationen gehören zu einer Live-Übertragung dazu. Genau wie der Tod eben auch zum Leben gehört. Und damit muss man umgehen. Irgendwie.

Ich denke, jedem von uns ist klar, dass das alles andere als eine leichte Aufgabe ist. Erst recht, wenn Millionen Augen und Ohren auf einen gerichtet sind. Und ich bin auch davon überzeugt, dass JEDER mehr als deutlich sehen konnte, dass Mirjam Weichselbraun ehrlich betroffen war, als sie vor laufender Kamera über den Tod unserer Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser berichtete. Eine Situation, die vor allem eines bedeutet: Stress. Und JA, als professionelle Moderatorin muss man mit diesem Stress umgehen können, keine Frage. Was man aber definitiv nicht muss, ist PERFEKT zu sein. 

Mirjam Weichselbraun ist nicht perfekt und genau das macht sie sympathisch. Sie ist authentisch. Sie ist echt. Ein Mensch wie du und ich, dem manchmal ein falsches Wort über die Lippen kommt. Sie hat weder jemanden beleidigt noch war sie auch nur einen Moment lang pietätlos. Sie hat sich einfach nur versprochen. Und ich frage nochmal: SO WHAT?!

In Form eines Facebook-Postings hat sich Mirjam Weichselbraun am Tag nach dem Opernball für ihren "Fehler" entschuldigt. Meiner Meinung nach, liebe Mirjam, wäre das überhaupt nicht nötig gewesen. Und jeder Mensch, der sich dazu bemüssigt gefühlt hat, dich für deinen Versprecher in Grund und Boden zu kritisieren, möge doch mal vor der eigenen Türe kehren.

Kaum ein Mensch würde von sich selbst behaupten perfekt zu sein. Warum also wird Perfektion in dem Moment zum Thema, in dem wir den Fernseher aufdrehen? Vielleicht, weil wir gerne durch Schlüssellöcher schauen. Weil wir gerne direkt vor Augen haben, was scheinbar unerreichbar ist. Vielleicht aber auch einfach, weil wir andere scheitern sehen wollen. Weil wir die Fehler der anderen brauchen, um uns selbst ein bisschen besser zu fühlen. 

So gesehen ist es also bestimmt nicht an Mirjam Weichselbraun, sich zu entschuldigen, sondern an allen anderen DANKE zu sagen. Danke für diesen Fehler, den WIR ALLE an ihrer Stelle bestimmt NIEMALS gemacht hätten............richtig? ;)