I am a Pro, an Im-Pro!

Improvisationstalent ist - neben ausgeprägter Eloquenz und einem riesengroßen Ego - mit Abstand die wichtigste Eigenschaft eines Moderators. Aber was tun, wenn 15 Minuten vor Veranstaltungsbeginn der Blitz in die Halle einschlägt, in der hunderte Menschen gespannt auf einen großen Auftritt warten? Was tun, wenn man sich inmitten einer spektakulären Location befindet, die Vorfreude auf die Referenzfotos kaum noch zu bändigen ist und plötzlich ein Unwetter mit monsun-artigen Regenfällen aufzieht ohne, dass es einen Plan B ("B" wie ÜBerdachung der Gäste) gibt? Die Antwort: Cool bleiben. Und improvisieren.

Beide gerade beschriebenen "Worst-Case-Szenarien" sind mir tatsächlich schon passiert. Zweiteres gerade erst vor wenigen Wochen, als ich die Ehre hatte, das 5-Jahres-Fest der Kinderburg Rappottenstein zu moderieren. Ein Setting, das man sich als Moderatorin nur wünschen kann: Bewacht von edlen Rittern schreite ich durch das Burgtor, um mir die Gegebenheiten genauer anzusehen, bevor es losgeht. Die Bühne ist überdacht und mit Blumen dekoriert. Für die Gäste stehen Stühle unter freiem Himmel bereit. Ungefähr drei Stunden vor Veranstaltungsbeginn zeigt sich das Wetter noch von seiner sonnigen Seite. Doch mit voranschreitender Uhrzeit und sukzessivem Eintreffen der Ehrengäste verdunkelt sich der Himmel zunehmend. "Conny, wir müssen evtl. schauen, dass wir den offiziellen Teil a bisserl schneller über die Bühne bringen", lautet die Ansage der Verantwortlichen. Kein Problem. In Sachen Redegeschwindigkeit macht mir so schnell keiner was vor, wenn es denn notwendig ist. Um kurz vor 14.00 Uhr betrete ich schließlich die Bühne, nehme mein Mikrofon in die Hand und meine Stimme ertönt zum ersten Mal innerhalb der ehrwürdigen Mauern der Burg Rappottenstein. Wie sich herausstellt gehört Petrus offenbar nicht zu meinen größten Fans, denn gerade, als ich Publikum und Gäste auffordern möchte, langsam die Plätze einzunehmen, scheint es, als hätte ganz oben jemand auf den "On"-Knopf gedrückt. Erst sind es nur ein paar kleine Tropfen, doch nach nur wenigen Minuten schüttet es wie aus Eimern. Während ich halbwegs entspannt auf der überdachten Bühne stehe, flüchten Publikum und Ehrengäste unter die Arkaden. 

"Sieht nicht so aus, als wenn es schnell vorbei zieht", sagt die Veranstaltungsverantwortliche mit besorgtem Gesichtsausdruck zu mir. "Hilft nix, dann müss' ma ins Zelt runter", lautet schließlich ihre Ansage. Nachdem ich von der Bühne aus allen Anwesenden mitgeteilt habe, dass wir die Veranstaltung in das vor der Burg aufgebaute Verpflegungszelt verlegen, gibt es eigentlich nur noch eine Frage zu beantworten: "Wieso bleiben wir nicht da? Schlamm is' eh cool", meinen die Kids der Volksschule Rappottenstein, die durchaus Freude an der Wetterlage hatten.

Unten angekommen wurden die Ausmaße des Improvisationstalents langsam sichtbar, das ich gleich unter Beweis stellen musste. Gefühlt befanden sich 500 Menschen in einem Zelt für 100. Keine Bühne. Keine Technik. Nur ich und eine Heurigenbank, die ich kurzfristig zu einem Brett umfunktionierte, das vor allem dem Veranstalter in dem Moment die Welt bedeutete. 

Foto: RK NÖ Kaltenegger/Kneissl-Winkelmüller

"Keine Sorge! Ich bin mit einem durchaus kräftigen Organ und einem ausgeprägten Gleichgewichtssinn gesegnet. Das kriegen wir schon hin", sagte ich zu den Ehrengästen mit einem strahlenden Lächeln und lies mir vom Präsidenten des Niederösterreichischen Roten Kreuzes auf die Heurigenbank helfen. Als mir der Techniker dann noch ein Mikrofon in die Hand drückte und mit dem Daumen nach oben signalisierte, dass er auch den Verstärker wohlbehalten durch den strömenden Regen ins Zelt transportiert hat, waren auch die letzten Zweifel verflogen. Publikum und Ehrengäste nahmen's mit Humor. Genau wie ich. 

Nachdem das geplante Programm schließlich in ungeplantem Setting inkl. Reden der Ehrengäste, Interviews, Kinderchor (der übrigens ironischerweise "Heute kann es regnen, stürmen oder schneien..." gesungen hat) und Geburtstagszeremonie erfolgreich über die Bühne gegangen ist, verabschiede ich mich aus Rappottenstein und freue mich über die Umarmung der Veranstalterin, die einen Seufzer der Erleichterung ausstößt. "Conny, DANKE!! Zum 10-Jährigen ruf' ma dich wieder an. Aber da stell' ma dann a Zelt auf. Versprochen!".